| Naturräume bewahren
Die Natur und Landschaft in Baden-Württemberg beherbergt eine Vielfalt an Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten. Aufgrund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlage und Erholungsraum des Menschen ist das Ziel des Naturschutzes diese zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Natura-2000-Flächen oder Nationalparks sichern besonders wertvolle Waldökosysteme. Sie schützen seltene Arten, erhalten charakteristische Landschaften und ermöglichen eine natürliche Waldentwicklung. Durch die abgestuften Schutzgebietstypen werden Nutzung, Erholung und strenger Naturschutz in einen ausgewogenen Kontext gebracht – für einen langfristig gesunden und widerstandsfähigen Wald.
In der Regel werden Naturschutzziele im Wald in die reguläre Bewirtschaftung integriert, um alle Waldfunktionen parallel zu erfüllen. Eine räumliche Trennung von Naturschutz und Forstwirtschaft – in reine Schutz- und Nutzfunktionen – ist in einem dicht besiedelten Land nicht möglich.
Die Waldbiotopkartierung (WBK) – als Bestandteil der Waldfunktionenkartierung – weist Waldbiotope sowohl innerhalb als auch außerhalb bereits bestehender Schutzgebiete aus. Dadurch können alle Bewirtschaftungsmaßnahmen gezielt auf den jeweiligen Waldbiotoptyp abgestimmt werden. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer können die Daten der WBK als kostenlose Bewirtschaftungshilfe bei der zuständigen unteren Forstbehörde abrufen.
Die Landesforstverwaltung Baden-Württemberg führte von 1989 bis 1998 die Waldbiotopkartierung durch. Dabei wurden rund 6 % der Waldfläche als besonders hochwertige Biotope erfasst und dokumentiert. Die gesamte kartierte Biotopfläche beträgt rund 82.000 Hektar.
Schwerpunkte der Ausweisung bildeten die seltenen, naturnahen Waldgesellschaften mit etwa 27 % der Biotopfläche, gefolgt von naturnahen Fließgewässern mit 18 % sowie strukturreichen Waldbeständen mit 9 % der kartierten Fläche. Naturgebilde, Moore und Feuchtgebiete nehmen zusammen rund 21 % der Biotopfläche ein.
Der nachhaltige Schutz und die Pflege dieser sensiblen Waldbereiche sind durch eine ordnungsgemäße forstliche Bewirtschaftung dauerhaft gewährleistet.
Der Wald ist für viele der Inbegriff unberührter Natur. Tatsächlich ist er – verglichen beispielsweise mit der Landwirtschaft – der am natürlichsten erhaltene Lebens- und Rückzugsraum vieler Tiere und Pflanzen. Dementsprechend liegen zahlreiche Naturschutzgebiete im Wald. Je nach Schutzziel sind ganz unterschiedliche Maßnahmen notwendig, um Arten und Lebensräume zu erhalten.
Die Forstwirtschaft kann vollständig ausgesetzt werden, wie zum Beispiel in den sogenannten Bannwäldern, in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt und keine menschlichen Eingriffe mehr erfolgen.
Ebenso kann ein bestimmter Schutzzweck angestrebt werden, etwa der Erhalt einer bestimmten Waldgesellschaft. In solchen Fällen wird die Bewirtschaftung in Schonwäldern vollständig auf dieses Ziel ausgerichtet.
Besondere ökologische Kleinode des Waldes werden als Waldbiotope geschützt und in der Waldbiotopkartierung erfasst. Die Pflege dieser Biotope erfolgt im Rahmen der regulären Forstwirtschaft, jedoch stets unter Berücksichtigung des jeweiligen Schutzziels.
Eine Verbindung von Naturschutz und Erholungsfunktion findet in den Naturparken statt – großflächigen Landschaften, die aufgrund ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit ausgewiesen und entsprechend bewirtschaftet werden.
Naturparke vereinen auf rund 35 % der Landesfläche Erholung, Landnutzung und Naturschutz in harmonischem Einklang. Als Impulsgeber fördern sie die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes, indem sie sich für den Erhalt, die Pflege und die Weiterentwicklung sensibler Lebensräume einsetzen. So profitieren alle von natürlichen Erholungs- und Naturerlebnisräumen – auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Als Großschutzgebiete bewahren Naturparke die vielfältigen Kulturlandschaften im Einklang von Menschen, Tieren und Pflanzen. Im Mittelpunkt steht dabei die nachhaltige Entwicklung der Regionen. Diese Aufgaben setzen die Naturparke in zahlreichen Projekten um – mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg, der Lotterie Glücksspirale und der Europäischen Union.
Der Nationalpark Schwarzwald wurde im Jahr 2014 als erster Nationalpark Baden-Württembergs gegründet. Er liegt im nördlichen Schwarzwald zwischen Baden-Baden und Freudenstadt und umfasst rund 10.000 Hektar Fläche. Etwa 75 Prozent des Parks bestehen aus Wald, vor allem aus Buchen-, Tannen- und Fichtenwäldern.
Das zentrale Ziel des Nationalparks ist es, der Natur wieder mehr Raum zur Selbstentfaltung zu geben. Auf weiten Flächen greift der Mensch deshalb nicht mehr in natürliche Prozesse ein – der Wald darf sich hier zu einem Urwald von morgen entwickeln. Gleichzeitig bleibt der Park ein Ort, an dem Menschen Natur erleben, erforschen und verstehen können.
Neben dem Schutz der Artenvielfalt spielt auch die Umweltbildung eine wichtige Rolle. Besucherinnen und Besucher können auf zahlreichen Wegen, Bildungsangeboten und Führungen die Besonderheiten der Landschaft kennenlernen – von Hochmooren über Bannwälder bis hin zu Bergmischwäldern.
Der Nationalpark ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und trägt somit zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Europa bei.
Sein Leitgedanke lautet: „Natur Natur sein lassen.“
Waldnaturschutz-Informationssystem FVA BW (externe Seite)
Informationen über weitere Schutzgebiete wie etwa Naturschutzgebiete, FFH- und Vogelschutzgebiete oder Landschaftsschutzgebiete sind bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (externe Seite) zu finden.
Kartenservice Schutzgebiete der LUBW (externe Seite)
Die Erhaltung der biologischen Vielfalt und des Naturerbes für nachfolgende Generationen ist eine länderübergreifende Aufgabe. Viele der genannten Waldschutzgebiete sind Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Insgesamt unterliegen rund 27 % der Waldfläche Baden-Württembergs vorrangig dieser europäischen Naturschutzzielsetzung.
Kartenservice Natura 2000 im Wald (externe Seite)
Auf Wälder wirkt eine Vielzahl von Umweltfaktoren ein, die die Funktionalität und Leistung von Waldökosystemen unnatürlich schnellen und dynamischen Veränderungen unterziehen. Zur zukünftigen Sicherstellung der Waldfunktionen ist es notwendig, sowohl Umwelteinflüsse als auch Ökosystemreaktionen sowie Systemzustände mit hinreichender Intensität und Kontinuität zu messen, um Veränderungen von Waldökosysteme erkennen und ihre Ursachen und Auswirkungen interpretieren zu können.
Durch das Forstliche Umweltmonitoring stehen umfassende Instrumente der Ökosystemüberwachung zur Verfügung, die rechtzeitig Fehlentwicklungen aufzeigen und gezielt Gegenmaßnahmen ermöglichen. In einem Verbund aus Rasterstichprobenflächen und gesonderten Versuchsflächen werden Daten zu Waldzustand, Produktivität, Ernährungssituation, Bodenzustand, Deposition und Sickerwasser, sowie die Witterung gesammelt, ausgewertet und zusammengefasst.
Die Befunde des Monitorings gaben in der Vergangenheit wesentliche Impulse zur Luftreinhaltepolitik. Außerdem gaben sie den Anstoß für eine konsequente Umsetzung von Waldumbaumaßnahmen in Richtung standortsgerechter Mischbestände. Durch das intensive Verfahren ist eine Bewertung der ökologischen Funktionen des Waldes möglich. Das Forstliche Umweltmonitoring liefert somit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung aller Waldfunktionen.
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