| Integriertes Borkenkäfermanagement

Borkenkäfer und Waldschutz

Zum Schutz der Wälder trägt das integrierte Borkenkäfermanagement bei, welches vielfältige Maßnahmen zur Vorbeugung, zum Monitoring und letztendlich zur rechtzeitigen Eindämmung des erkannten Befalls umfasst.

Waldschutz

Als Folge einer Schwächung der Wälder durch die Ursachenkomplexe der "neuartigen Waldschäden" steigt die Anfälligkeit gegenüber biotischen Schädlingen. Auch diese werden jedoch als Teil des Ökosystems angesehen und können nicht einfach eliminiert werden. Ein Lösungsansatz findet sich im "integrierten Waldschutz", einer Kombination von waldbaulichen, mechanisch/technischen, biotechnisch/biologischen und chemischen Maßnahmen. Ziel dieser Vorgehensweise ist, die Schaderreger-Populationen unter eine definierte Schadensschwelle zu senken, bei der das Betriebsziel nicht gefährdet ist.

Zur zukünftigen Sicherstellung der Waldfunktionen ist es notwendig sowohl Umwelteinflüsse als auch Ökosystemreaktionen in einem Umwelt-Monitoring zu messen, um Veränderungen von Waldökosysteme erkennen, ihre Ursachen und Auswirkungen interpretieren und in die waldbaulichen Planungen einfließen lassen zu können.

Borkenkäfer

Borkenkäfer sind ein natürlicher Bestandteil im Ökosystem Wald. Als Sekundärschädlinge besiedeln sie in unseren Wäldern vor allem kranke oder absterbende Bäume und schaffen so Lücken und wertvolle Totholzstrukturen. Einzelne Arten, wie der Buchdrucker (Ips typographus), haben jedoch auch das Potenzial, vitale Bäume zum Absterben zu bringen. Besonders wenn hohe Fichtenanteile, Sturmwurf und trocken-warme Witterung zusammentreffen, kann es zu einer massenhaften Vermehrung dieser Käfer kommen. Ohne Management können aus kleinen Käferlöchern schließlich zusammenhängend absterbende Waldflächen entstehen. Dies gilt es zu verhindern! Denn wenn Waldflächen absterben, werden nicht nur ihre vielfältigen Funktionen beeinträchtigt, sondern auch der Erhalt des Waldes selbst ist gefährdet. Waldbesitzende sind deshalb gefordert: Es geht um Ihren Wald - und dessen Erhalt für die zukünftigen Generationen!

Zum Schutz der Wälder trägt das integrierte Borkenkäfermanagement bei, welches vielfältige Maßnahmen zur Vorbeugung, zum Monitoring und letztendlich zur rechtzeitigen Eindämmung des erkannten Befalls umfasst. Diese Maßnahmen sollten sich bestmöglich ergänzen und Waldbesitz-übergreifend durchgeführt werden, um Schäden effizient zu minimieren.

Download Flyer Borkenkäfermanagment an Fichte (pdf)

Borkenkäfer Newsletter FVA BW (externe Seite)

Borkenkäfer Monitoring FVA BW (externe Seite)

FVA BW - Abteilung Waldschutz (externe Seite)
Waldschutz Stehendbefall Borkenkäfer

Häufige Borkenkäfer an Fichte

  • 4,2-5,5 mm lang
  • besiedelt bevorzugt Fichten ab Baumholz-Alter im Stammbereich, selten auch andere Nadelbaumarten
  • Flugzeit: April bis September (Oktober)
  • 2-3 Generationen (in Hochlagen 1-2) + Geschwisterbruten; rasche Entwicklung innerhalb von 6-9 Wochen möglich
  • 1,6-2,9 mm lang
  • besiedelt Fichten in dünnborkigen Bereichen (Krone, Äste, Verjüngung), selten auch andere Nadelbaumarten
  • Flugzeit: April bis September (Oktober)
  • 1-2, seltener 3 Generationen + Geschwisterbruten

Buchdrucker (Ips typographus)

Der schadrelevanteste Borkenkäfer: der Buchdrucker

Brutbild des Buchdruckers

Stehendbefall durch Buchdrucker

Kupferstecher (Pityogenes chalcographus)

Deutlich kleiner als der Buchdrucker: der Kupferstecher

Brutbild des Kupferstechers

Kupferstecherbefall in der Krone

Borkenkäfer an anderen Nadelbäumen

Neben der Fichte gibt es auch an anderen Nadelbäumen schadrelevante Borkenkäferarten, wie z.B. den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer an der Weißtanne. Auch in diesen Fällen ist ein rechtzeitiges Borkenkäfermanagement notwendig, welches aber z.T. von den hier für die Fichtenborkenkäfer dargestellten Methoden abweicht. Hinweise und Handlungsempfehlungen dazu finden Sie in einer Waldschutz-Info zu Borkenkäfern an Weißtanne (pdf) und allgemeinere Informationen in der FNR-Broschüre „Borkenkäfer an Nadelbäumen“ (pdf).

Krummzähniger Tannenborkenkäfer (Pityokteines curvidens)

Befallene Weißtannen sind an ihrer verfärbten Krone erkennbar

Borkenkäfermanagement an Fichte

Maßnahmen!  Folgende Kriterien sind bei der Pflege Ihrer Wälder zu beachten:

  • Passende Wahl von Standort und Herkunft der Bäume
  • Mischung von Baumarten
  • Schaffung unterschiedlicher Altersstrukturen
  • Verkürzung der Umtriebszeiten

Auch der Entzug von bruttauglichem Material, z.B. Stamm- und Kronenreste nach Sturmwurf oder Schneebruch, aus dem Wald verhindert, dass sich Borkenkäfer dort leicht ansiedeln und den umliegenden Bestand gefährden können.
Bruttauglich für den Buchdrucker sind Fichten mit frischer Rinde und einem Durchmesser über 15 cm; der kleinere Kupferstecher bevorzugt auch schwächeres Material. Brutuntaugliches Material kann jedoch zur Anreicherung von Totholz und dem Verbleib von Nährstoffen im Bestand belassen werden.

Quelle: ForstBW/Spehn

Des Försters Leid, des Buchdruckers Freud! Durch Sturm geworfene Fichten bieten bestes Brutmaterial

 

Quelle: FVA BW/Kautz

Schwächere Kronenbrüche besiedeln vor allem Kupferstecher

 

Regelmäßige Befallskontrollen sind zwar aufwendig, aber notwendig, um Frischbefall rechtzeitig zu erkennen und das Ausbreiten der Schadflächen zu verhindern. Da die Entwicklung des Buchdruckers innerhalb von sechs Wochen abgeschlossen sein kann, ist hier Eile geboten! Eine gute Planung hilft, die Kontrollen so effizient wie möglich durchzuführen.

Wann und wie häufig?

  • Beginn im Frühjahr nach dem ersten Flug im April, Fortsetzung bis Oktober
  • Kontrollen an Schwärmdynamik anpassen: Informationen zu aktuellen Fangzahlen und zur Buchdrucker-Phänologie finden Sie hier (externe Seite)!
  • Je nach Gefahrenlage im zweiwöchigen Turnus
  • Möglichst bei trockener Witterung und nach hoher Schwärmaktivität
  • Bei Vorbefall auch sporadisch im Winterhalbjahr

Wo?

Flächig bei entsprechender Gefahrenlage, ansonsten prioritär …

  • Angrenzend an und in der näheren Umgebung von Vorbefall
  • An Rändern von Windwurf- und Schneebruchnestern
  • In südexponierten Lagen und an aufgerissenen Bestandesrändern
  • In Jungwüchsen bei Gefährdung durch Kupferstecher

Für die Priorisierung von Bestandesbereichen oder Zeitfenstern mit erhöhtem Buchdrucker-Befallsrisiko hilft auch das Modell IpsRisk (externe Seite).

Nach was Ausschau halten?

  • Harztröpfchen/Harzfluss
    sind eine Abwehrreaktion des Baums nach Einbohrversuchen , sind jedoch noch kein sicheres Merkmal für erfolgreichen Befall. Bäume, die lediglich Harztropfen aufweisen, sollten weiter beobachtet werden!
  • Braunes Bohrmehl
    sammelt sich auf der Rinde, unter Rindenschuppen, auf Spinnweben, am Stammfuß und auf der Bodenvegetation.Es entsteht bei der Anlage von Muttergängen und ist das früheste sichere Befallsmerkmal.
  • Helle Flecken, sogenannte „Spiegel“ auf der Rinde
    erscheinen ab dem Larvenstadium durch die Nahrungssuche von Spechten
  • Kronenverfärbung, Abfall grüner oder roter Nadeln, oder Rindenabfall
    treten auf, wenn die Wasser- und Nährstoffversorgung des Baumes bereits deutlich beeinträchtigt ist. Hier ist die Entwicklung der Borkenkäfer oftmals schon weitgehend abgeschlossen

 

Sind die Käferbäume identifiziert, sind sie so rasch wie möglich einzuschlagen und aufzuarbeiten. Die beste Option ist die direkte Abfuhr ins Sägewerk. Ist diese nicht möglich, stehen eine Reihe weiterer bewährter Verfahren zum Unschädlichmachen der Befallsbäume bereit:

Quelle: FVA BW

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre zuständige Untere Forstbehörde in Ihrem Landratsamt oder an die Abteilung Waldschutz (externe Seite) der FVA.